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Beckenbodentraining in der Schwangerschaft: 5 häufige Fehler
Körperliche Geburtsvorbereitung

Beckenbodentraining in der Schwangerschaft: 5 häufige Fehler

Eine klinische Studie aus dem Jahr 2003 begleitete 301 Erstgebärende zwischen der 20. und 36. Schwangerschaftswoche.

Das Ergebnis: Ein strukturiertes Beckenbodentraining verkürzte die durchschnittliche Dauer der zweiten Geburtsphase von rund 45 auf etwa 40 Minuten. Außerdem sank der Anteil der Frauen mit einer verlängerten Austreibungsphase von mehr als 60 Minuten. Die Studie berichtete zudem über eine leicht niedrigere Dammschnittrate.

Fünf Minuten klingen auf dem Papier nicht nach einem Wendepunkt. Unter der Geburt können sie trotzdem einen Unterschied machen — vor allem für die Belastung der Mutter und den Verlauf der Austreibungsphase. Eine Wirkung auf die Versorgung des Kindes lässt sich aus diesem Ergebnis allerdings nicht ableiten. Genauigkeit ist hier wichtig: Beckenbodentraining ist kein Versprechen für eine bestimmte Geburt, sondern eine Möglichkeit, Kraft, Wahrnehmung und Entspannung gezielt zu üben.

Das Problem liegt deshalb selten darin, dass Schwangere überhaupt trainieren. Häufiger geht es um die Ausführung. Beim Beckenbodentraining in der Schwangerschaft wird zu stark angespannt, die Atmung angehalten oder mit Gesäß und Oberschenkeln kompensiert. Manchmal wird auch trainiert, obwohl der Körper längst eine Pause oder eine fachliche Abklärung verlangt.

Die fünf häufigsten Fehler folgen demselben Grundmuster: Du trainierst, aber nicht den richtigen Muskel, nicht in der passenden Intensität oder nicht in dem Moment, in dem Training sinnvoll ist.

Warum gezieltes Training die Austreibungsphase verkürzen kann

Der Beckenboden ist kein einzelner Muskel, den man wie einen Bizeps isoliert betrachtet. Er besteht aus mehreren Muskelschichten und Bindegewebsstrukturen, die den unteren Abschluss des Beckens bilden. Der Musculus levator ani ist dabei ein wichtiger Teil des tragenden Systems; weitere Muskeln liegen im hinteren und oberflächlichen Bereich rund um Scheide und After.

Diese Struktur trägt im Alltag die Last von Gebärmutter, Blase und Darm. Sie reagiert auf Husten, Niesen, Heben und Bewegung. Während der Geburt kommt eine zusätzliche Aufgabe hinzu: Der Beckenboden muss nicht nur Spannung aufbauen, sondern im richtigen Moment auch nachgeben können. Die Fähigkeit, bewusst loszulassen, ist deshalb keine Nebensache.

Die norwegische Studie von Mørkved und ihren Kolleginnen und Kollegen untersuchte ein zwölfwöchiges Trainingsprogramm zwischen der 20. und 36. Schwangerschaftswoche. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen strukturiertem Beckenbodentraining und einer kürzeren zweiten Geburtsphase. Sie zeigen nicht, dass jede einzelne Übung dieselbe Wirkung hat oder dass sich der Geburtsverlauf damit zuverlässig planen lässt.

Auch die leicht niedrigere Dammschnittrate ist ein Ergebnis der Untersuchung, aber kein Freibrief für pauschale Versprechen. Ob ein Dammschnitt notwendig wird, hängt von vielen Faktoren ab: vom Geburtsverlauf, der Position des Kindes, der Situation der Mutter und der Einschätzung des Geburtsteams. Beckenbodentraining ist nur ein Baustein unter mehreren.

Was die Studie nicht belegt, ist eine bestimmte Trainingsmechanik als alleinige Ursache des Ergebnisses. Daraus lässt sich also nicht seriös ableiten, dass ein bestimmtes Trainingsvolumen, eine exakt definierte Haltezeit oder eine einzelne Entspannungsphase für die Wirkung verantwortlich war. Für die Praxis bleibt trotzdem eine robuste Grundregel: Der Beckenboden sollte nicht ausschließlich auf Kraft trainiert werden. Wahrnehmung, Koordination und bewusstes Loslassen gehören zusammen.

Beckenbodentraining bereitet nicht auf eine Geburt vor, indem es den Körper dauerhaft festhält. Es soll dir helfen, Spannung aufzubauen und sie wieder abzugeben.

Fehler 1: Nur anspannen und nie loslassen

Viele Schwangere lernen den Beckenboden zunächst über das Bild vom „Kneifen“ kennen. Das kann als Einstieg funktionieren. Problematisch wird es, wenn aus jedem Training eine Folge maximaler Anspannungen wird und die Entspannung nur noch als kurze Pause zwischen zwei Wiederholungen vorkommt.

Ein dauerhaft aktiver Beckenboden ist nicht automatisch ein gut trainierter Beckenboden. Wenn du nach jeder Kontraktion weiterhältst, unbewusst nachspannst oder den Bereich gar nicht mehr richtig wahrnimmst, fehlt ein wesentlicher Teil der Übung: die Rückkehr in einen weicheren Ausgangszustand.

Das bedeutet nicht, dass Beckenbodentraining eine Geburt erschwert oder den Beckenboden grundsätzlich „hart“ macht. Diese pauschale Vorstellung ist zu grob. Entscheidend ist vielmehr, ob du den Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung überhaupt spüren kannst. Wer nur das Anspannen übt, verpasst genau diese Koordination.

So kannst du die Entspannung überprüfen

Lege dich in einer bequemen Position auf die Seite oder auf den Rücken, sofern sich das für dich gut anfühlt. Alternativ kannst du aufrecht auf einem Stuhl sitzen. Die Füße stehen locker auf dem Boden, der Kiefer ist entspannt, der Bauch muss nicht eingezogen werden.

Dann gehst du in drei Schritten vor:

1. Atme ruhig aus und spanne den Beckenboden sanft nach innen und oben an. Es geht nicht um die höchstmögliche Kraft.

2. Halte die Spannung nur so lange, wie du ohne Pressen und ohne Ausweichbewegungen ruhig weiteratmen kannst.

3. Lass anschließend bewusst los. Warte, bis sich der Bereich wieder weich und neutral anfühlt, bevor du erneut anspannst.

Die Entspannung sollte nicht nur im Kopf stattfinden. Viele Frauen spüren nach dem Loslassen eine leichte Weitung im Becken, mehr Kontakt zur Sitzfläche oder ein Nachlassen der Spannung im Unterbauch. Das Empfinden ist individuell. Es muss kein spektakuläres Gefühl entstehen.

Wenn der Beckenboden nach der Übung angestrengter, kürzer oder fester wirkt als davor, war die Belastung möglicherweise zu hoch. Dann hilft es nicht, noch mehr Wiederholungen zu erzwingen. Reduziere die Kraft, verlängere die Pausen oder lass dir die Ansteuerung von einer Hebamme oder einer Beckenbodenphysiotherapeutin zeigen.

Fehler 2: Pressatmung statt ruhiger Ausatmung

Beim Krafttraining ist es verbreitet, gegen eine geschlossene Stimmritze zu pressen. Diese Atemform wird als Valsalva-Manöver bezeichnet. Der Druck im Bauchraum steigt dabei deutlich an. In bestimmten Situationen kann diese Technik Teil eines gezielten Trainings sein. Für eigenständige Beckenbodenübungen in der Schwangerschaft ist sie jedoch keine gute Standardlösung.

Wenn du beim Anspannen die Luft anhältst, nach unten presst oder den Bauch stark verhärtest, steigt der Druck von oben auf den Beckenboden. Das kann sich intensiv anfühlen und deshalb fälschlicherweise wie ein besonders wirksames Training wirken. Ein stärkeres Druckgefühl sagt aber nichts darüber aus, ob der Beckenboden besser arbeitet.

Achte auf eine einfache Kopplung:

  • Beim Ausatmen kannst du den Beckenboden sanft anspannen.
  • Beim Einatmen lässt du die Spannung wieder nach.
  • Der Atem bleibt fließend; es gibt keinen erzwungenen Druck nach unten.
  • Bauch, Schultern und Gesicht bleiben so locker wie möglich.

Die Atmung ist dabei keine starre technische Vorschrift. Nicht jede Frau spürt den Beckenboden sofort genau im Rhythmus des Atems. Wenn die Kopplung dich verkrampft, ist eine natürliche, ruhige Atmung zunächst wichtiger als die perfekte Synchronisation.

Für die Selbstkontrolle kannst du eine Hand auf den unteren Bauch legen. Beim Ausatmen darf sich die Bauchdecke leicht verändern, ohne dass du sie aktiv einziehst. Beim Einatmen soll kein Pressen in Richtung Beckenboden entstehen. Wenn du den Eindruck hast, nach unten zu drücken, nimm die Intensität heraus und beginne mit einer kleineren Bewegung.

Auch bei Übungen im Sitzen oder Stehen gilt: Der Beckenboden muss nicht mit maximaler Kraft gegen den Atem arbeiten. Gerade in der Schwangerschaft ist es sinnvoll, die Koordination in verschiedenen Positionen zu üben, statt nur in einer idealisierten Liegeposition. Die Geburt findet schließlich nicht zwingend in der Position statt, in der die erste Übung gelernt wurde.

Freies Atmen ist beim Beckenbodentraining kein Detail. Es verhindert, dass aus einer feinen Koordinationsübung unnötiger Druck wird.

Fehler 3: Gesäß und Oberschenkel übernehmen die Arbeit

Ein häufiger Fehler bei Beckenbodenübungen ist kaum zu übersehen: Die Pobacken kneifen zusammen, die Oberschenkel drücken gegeneinander, der Bauch wird hart — und der Beckenboden bleibt schwer wahrnehmbar. Das fühlt sich nach viel Arbeit an, sagt aber wenig über die Qualität der Ansteuerung aus.

Gesäß, Bauch und innere Oberschenkel dürfen sich bei alltäglichen Bewegungen natürlich mit dem Beckenboden koordinieren. Beim isolierten Üben geht es nicht darum, jede Beteiligung anderer Muskeln unter allen Umständen auszuschalten. Es geht darum, überhaupt unterscheiden zu können, was gerade passiert. Wenn die großen Muskelgruppen jede Anspannung übernehmen, fehlt dir diese Kontrolle.

Du kannst die Isolation zunächst auf einem Stuhl prüfen:

1. Setze dich aufrecht hin und stelle beide Füße ungefähr hüftbreit auf.

2. Spüre die Sitzbeinhöcker unter dem Gesäß. Sie müssen nicht aktiv auseinandergezogen werden.

3. Spanne den Beckenboden mit geringer Kraft an, ohne den Atem anzuhalten.

4. Beobachte, ob sich Pobacken, Oberschenkel oder Bauch deutlich verhärten.

5. Lass wieder los und vergleiche die Empfindung mit der Anspannung.

Wenn die Pobacken stark zusammenpressen, ist die Intensität meistens zu hoch. Weniger Kraft kann dann mehr bewirken. Der Beckenboden arbeitet nicht automatisch besser, nur weil die gesamte Körpermitte maximal fest wird.

Ein Spiegel kann bei der Orientierung helfen, ersetzt aber keine fachliche Untersuchung. Die äußere Bewegung ist nicht bei jeder Frau gleich sichtbar und sagt allein wenig über die Aktivität der tiefer liegenden Muskeln aus. Auch der sogenannte Harnstrahl-Stopp ist nur ein Bild zur Orientierung. Den Urinfluss solltest du nicht regelmäßig während des Wasserlassens unterbrechen, weil das die normale Entleerung stören kann.

Sinnvoller ist es, den Beckenboden in ruhigen Alltagssituationen zu üben: beim Ausatmen vor dem Aufstehen, bei einem Positionswechsel oder bevor du etwas Leichtes hebst. Dabei bleibt die Bewegung klein. Du musst nicht jedes Mal eine maximale Kontraktion ausführen. Für die Körperwahrnehmung ist eine sanfte, saubere Ansteuerung oft hilfreicher als ein starkes Zusammenkneifen.

Fehler 4: Warnsignale als normalen Trainingsreiz abtun

Nicht jedes Ziehen bedeutet, dass etwas nicht stimmt. Schwangerschaft verändert Körperhaltung, Bindegewebe, Druckverhältnisse und die Wahrnehmung im Becken. Trotzdem sollte Training nicht regelmäßig Schmerzen, Druck oder ein deutliches Schweregefühl auslösen.

Ein Muskel darf nach einer ungewohnten Übung müde sein. Der Beckenboden sollte sich danach aber nicht dauerhaft verkrampft anfühlen. Auch eine zunehmende Verschlechterung von Beschwerden ist kein Zeichen dafür, dass das Training gerade besonders effektiv ist.

Achte unter anderem auf diese Hinweise:

WahrnehmungWas dahinterstecken kannWas jetzt sinnvoll ist
Wiederholter Urinverlust beim Husten, Niesen oder LachenEine Belastung des Beckenbodens, eine unzureichende Koordination oder eine andere UrsacheBelastung reduzieren und das Thema bei Hebamme, Ärztin oder Physiotherapeut:in ansprechen
Schwere-, Druck- oder Fremdkörpergefühl im BeckenEine Überlastung oder eine behandlungsbedürftige BeckenbodenproblematikÜbung unterbrechen und fachlich abklären lassen
Schmerzen beim Anspannen, Entspannen oder GeschlechtsverkehrEine erhöhte Muskelspannung, Reizung oder andere körperliche UrsacheNicht gegen den Schmerz weitertrainieren, sondern untersuchen lassen
Brennen, Taubheit oder ungewöhnliche MissempfindungenEine Irritation, die sich aus der Ferne nicht beurteilen lässtPause einlegen und medizinischen Rat einholen
Beschwerden, die nach jeder Einheit stärker werdenEine nicht passende Technik oder zu hohe BelastungTrainingsumfang und Intensität nicht weiter steigern

Diese Übersicht ersetzt keine Diagnose. Gerade während der Schwangerschaft ist es besser, eine ungewöhnliche Beschwerde einmal zu früh anzusprechen als über Wochen wegzutrainieren. Bei Blutungen, starken oder anhaltenden Schmerzen, Fruchtwasserabgang, regelmäßigen vorzeitigen Wehen oder anderen akuten Beschwerden gehört nicht trainiert, sondern medizinisch abgeklärt.

Warnsignale sind auch dann relevant, wenn die Übung auf den ersten Blick korrekt aussieht. Ein Beckenboden kann äußerlich ruhig bleiben und sich trotzdem überfordert anfühlen. Umgekehrt bedeutet ein fehlendes deutliches Anspannungsgefühl nicht automatisch, dass keine Aktivität vorhanden ist. Genau deshalb ist eine individuelle Anleitung besonders hilfreich, wenn Beschwerden bestehen.

Schmerz und Druck sind keine Qualitätskontrolle. Sie zeigen nicht, dass du „richtig intensiv“ trainierst, sondern dass der Körper Aufmerksamkeit verlangt.

Fehler 5: Apparative Verfahren ohne Absprache einsetzen

Auf dem Markt gibt es Geräte zur Magnetfeld- oder Elektrostimulation sowie verschiedene Hilfsmittel, die ein intensiveres Beckenbodentraining versprechen. In der Schwangerschaft solltest du solche Verfahren nicht eigenständig beginnen. Ob ein Gerät in deiner Situation geeignet ist, muss eine fachkundige Person beurteilen.

Der entscheidende Punkt ist nicht nur die Frage, ob ein Gerät angenehm oder unangenehm ist. Elektrische oder andere apparative Reize wirken auf den Körper, ohne dass du ihre Intensität und Platzierung immer zuverlässig einschätzen kannst. Für eine Anwendung in der Schwangerschaft reicht ein Werbeversprechen nicht aus. Eine Hebamme, Ärztin oder qualifizierte Physiotherapeutin kann außerdem besser beurteilen, ob dein eigentliches Problem mangelnde Kraft, fehlende Wahrnehmung, zu viel Spannung oder etwas anderes ist.

Apparate ersetzen auch nicht automatisch das Erlernen der Eigenwahrnehmung. Wenn ein Impuls eine Kontraktion auslöst, weißt du dadurch noch nicht unbedingt, wie sich eine aktive Anspannung oder eine vollständige Entspannung bei dir anfühlt. Für die Vorbereitung auf die Geburt ist diese Unterscheidung aber zentral.

In vielen Fällen genügt zunächst ein angeleitetes Eigentraining ohne Hilfsmittel:

  • eine bequeme Ausgangsposition, in der du den Beckenboden wahrnehmen kannst;
  • ruhiges Atmen ohne Pressen;
  • sanfte Anspannung statt maximaler Kraft;
  • eine klar erkennbare Entspannungsphase;
  • Pausen, bevor Ermüdung und Ausweichbewegungen einsetzen;
  • Rückmeldung durch Hebamme oder Beckenbodenphysiotherapeut:in, wenn die Wahrnehmung unsicher ist.

Auch Dammmassage ist ein anderes Thema als klassisches Beckenbodentraining. Sie zielt auf die Wahrnehmung und Vorbereitung des Gewebes im Bereich des Damms und sollte nur dann eingesetzt werden, wenn sie in deiner Schwangerschaftssituation passend ist. Zeitpunkt und Vorgehen kannst du mit Hebamme oder Ärztin besprechen. Sie ist kein Ersatz für Beckenbodentraining und muss nicht in jedes persönliche Geburtsvorbereitungskonzept passen.

Beckenboden richtig trainieren: weniger Kraft, mehr Wahrnehmung

Ein gutes Training muss nicht spektakulär sein. Du solltest danach nicht das Gefühl haben, im ganzen Körper gearbeitet zu haben. Die Übung darf klein, unscheinbar und konzentriert sein. Gerade darin liegt ihre Schwierigkeit.

Eine einfache Einheit kann so aussehen:

1. Nimm eine Position ein, in der dein Bauch frei atmen kann und du nicht ins Hohlkreuz ausweichst.

2. Spüre zunächst einige Atemzüge lang die Sitzfläche oder den Kontakt zum Boden.

3. Spanne den Beckenboden beim Ausatmen sanft an.

4. Halte die Spannung nur so lange, wie Gesicht, Gesäß, Oberschenkel und Atem ruhig bleiben.

5. Löse die Spannung vollständig und warte auf einen neutralen Zustand.

6. Wiederhole die Bewegung nur so oft, wie die Qualität gleich bleibt.

Die genaue Anzahl der Wiederholungen ist weniger wichtig als die Ausführung. Wenn die letzten Wiederholungen nur noch aus Pressen, Nachspannen oder Ausweichen bestehen, ist die Einheit bereits zu lang. Beckenboden stärken vor der Geburt bedeutet nicht, möglichst viele Kontraktionen zu sammeln. Es bedeutet, die richtige Reaktion im richtigen Moment zu lernen.

Ebenso wichtig ist der Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe im Alltag. Wer beim Heben, Niesen oder Aufstehen grundsätzlich nach unten presst, kann von der besten Übungseinheit nur begrenzt profitieren. Versuche, vor der Belastung auszuatmen und den Beckenboden nicht abrupt, sondern koordiniert zu aktivieren. Bei schwereren oder ungewohnten Belastungen solltest du dich nicht durch Beschwerden hindurch zwingen.

Wenn du den Beckenboden entspannen lernen möchtest, helfen manchmal Übungen, die gar nicht mit einer Kontraktion beginnen: langsames Ausatmen, ein lockerer Kiefer, ein entspannter Bauch und eine bewusste Wahrnehmung der Sitzbeinhöcker. Die Entspannung lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht eher, wenn der Körper keinen zusätzlichen Druck bekommt.

Wann professionelle Anleitung sinnvoll ist

Bei unkomplizierten Schwangerschaften können einfache Übungen Bestandteil eines Geburtsvorbereitungskurses sein. Eine individuelle Anleitung ist besonders sinnvoll, wenn du den Beckenboden nicht spürst, regelmäßig Urin verlierst, Schmerzen hast oder nach dem Training ein Druckgefühl bemerkst.

Auch bei einem bereits sehr angespannten Beckenboden ist mehr Krafttraining nicht automatisch die richtige Antwort. Dann kann zunächst die Wahrnehmung der Entspannung im Vordergrund stehen. Eine Beckenbodenphysiotherapeutin kann prüfen, ob du zu stark anspannst, nach unten drückst oder mit anderen Muskelgruppen kompensierst.

Bei der Auswahl eines Kurses lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Inhalte. Gute Geburtsvorbereitung reduziert den Beckenboden nicht auf das Bild eines Muskels, der immer stärker werden muss. Sie verbindet Bewegung, Atmung, Körperwahrnehmung und die Fähigkeit, Spannung wieder abzugeben. Das passt auch zu HypnoBirthing-Ansätzen, sofern sie nicht als Versprechen einer bestimmten Geburt verkauft werden, sondern als Möglichkeit, mit Atem, Aufmerksamkeit und Entspannung zu arbeiten.

Der entscheidende Fehler ist oft nicht zu wenig Training

Beckenbodentraining in der Schwangerschaft kann sinnvoll sein, wenn es zur eigenen Situation passt und sauber ausgeführt wird. Die Forschung weist auf einen möglichen Nutzen für die Dauer der zweiten Geburtsphase und auf eine leicht niedrigere Dammschnittrate hin. Daraus folgt aber weder eine Garantie für den Geburtsverlauf noch eine Wirkung auf die Versorgung des Kindes.

Die wichtigsten Korrekturen sind deshalb unspektakulär: nicht nur anspannen, sondern bewusst loslassen; nicht pressen, sondern weiteratmen; nicht mit Gesäß und Oberschenkeln kompensieren; Warnsignale ernst nehmen; apparative Verfahren nicht ohne fachliche Absprache einsetzen.

Wer den Beckenboden richtig trainieren möchte, braucht vor allem eine gute Wahrnehmung für die eigene Intensität. Die Muskulatur soll arbeiten können, ohne dauerhaft festzuhalten. Sie soll im Alltag tragen, bei Belastung reagieren und während der Geburt auch nachgeben können. Genau diese Beweglichkeit zwischen Spannung und Entspannung ist wichtiger als eine möglichst beeindruckende Zahl von Wiederholungen.

Häufige Fragen

Kann Beckenbodentraining die Geburt garantieren?
Nein, Beckenbodentraining ist kein Versprechen für einen bestimmten Geburtsverlauf. Es dient lediglich dazu, Kraft, Wahrnehmung und Entspannung gezielt zu üben.
Warum ist die Atmung beim Beckenbodentraining so wichtig?
Die richtige Atmung verhindert, dass durch Pressatmung unnötiger Druck von oben auf den Beckenboden ausgeübt wird. Eine fließende Ausatmung unterstützt die sanfte Anspannung, während die Einatmung die Entspannung fördert.
Was tun, wenn der Beckenboden nach dem Training schmerzt?
Schmerzen, Druck oder ein Schweregefühl sind Warnsignale. In diesem Fall sollte das Training unterbrochen und die Ursache durch eine Hebamme, Ärztin oder Physiotherapeutin abgeklärt werden.
Sollte man den Beckenboden mit maximaler Kraft trainieren?
Nein, eine maximale Kraftanstrengung ist oft kontraproduktiv. Wichtiger ist eine saubere Ansteuerung, bei der die Muskulatur arbeitet, ohne dass andere Körperbereiche wie Gesäß oder Oberschenkel übermäßig kompensieren.
Wann ist eine professionelle Anleitung für das Beckenbodentraining sinnvoll?
Eine individuelle Anleitung ist besonders ratsam, wenn der Beckenboden nicht wahrgenommen wird, Urinverlust auftritt, Schmerzen bestehen oder nach dem Training ein Druckgefühl im Becken entsteht.