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Selbstbestimmt, angstfrei und kraftvoll gebären.

Atemtechniken für die Geburt: Ein 4-Wochen-Trainingsplan
Körperliche Geburtsvorbereitung

Atemtechniken für die Geburt: Ein 4-Wochen-Trainingsplan

Atemtechniken können den Verlauf einer Geburt nicht vollständig kontrollieren. Sie nehmen einer Wehe nicht automatisch ihre Intensität und ersetzen weder medizinische Begleitung noch eine individuelle Entscheidung für oder gegen Schmerzmittel.

Aber sie geben der Gebärenden etwas zurück, das unter starken Wehen leicht verloren geht: einen körperlichen Rhythmus, an dem sie sich orientieren kann.

Genau darin liegt die Stärke eines Atemtrainings. Wer erst unter der ersten intensiven Geburtswelle nach einer passenden Technik sucht, muss gleichzeitig mit Schmerz, Anspannung und Überforderung umgehen. Ein über mehrere Wochen eingeübtes Atemmuster kann dagegen vertraut werden. Es muss dann nicht mehr erklärt oder zusammengesucht werden, sondern steht als körperliche Erinnerung zur Verfügung.

Im HypnoBirthing nach Marie F. Mongan werden dafür drei Atemtechniken unterschieden: Ruheatmung, Wellenatmung und Geburtsatmung. Sie gehören zu unterschiedlichen Phasen der Geburt, bauen aber auf derselben Grundidee auf: Der Atem bleibt weich, der Körper bekommt Sauerstoff, und die Gebärende versucht, nicht gegen jede Welle anzuspannen, sondern sie bewusst zu begleiten.

Warum systematisches Atemtraining den Geburtsverlauf beeinflusst

Während einer Wehe verändert sich die gesamte Dynamik des Körpers. Die Gebärmutter arbeitet, der Bauchraum steht unter Druck, der Beckenboden reagiert auf die zunehmende Dehnung. Gleichzeitig kann Angst den Atem verkürzen. Aus einem tiefen, fließenden Atem wird ein hastiges Einatmen, die Schultern ziehen nach oben, der Kiefer schließt sich, und die Muskulatur gerät in einen Zustand ständiger Abwehr.

Diese Reaktion ist nachvollziehbar. Sie ist keine Frage von Stärke oder Schwäche, sondern eine körperliche Antwort auf Intensität und Unsicherheit. Gerade deshalb lohnt es sich, die Atmung nicht als isolierte Technik zu betrachten. Sie ist ein Zugang zum gesamten Muskelkorsett.

Eine ruhige Ausatmung kann dabei helfen, den Körper zwischen den Wehen wieder aus der Anspannung herauszuführen. Bei der Ruheatmung wird häufig mit einem Verhältnis von etwa vier Zählern beim Einatmen zu acht Zählern beim Ausatmen gearbeitet. Entscheidend ist nicht, eine bestimmte Zahl um jeden Preis zu erreichen. Die Ausatmung soll länger und entspannter sein als die Einatmung, ohne dass Luftnot entsteht.

Auch während einer Geburtswelle bleibt die Atmung eine Orientierung. Zu Beginn der Eröffnungsphase dauert eine Welle durchschnittlich etwa 45 Sekunden, gegen Ende kann sie bis zu 90 Sekunden anhalten. Eine einzelne Atemsequenz reicht deshalb nicht aus. Die Technik wird innerhalb derselben Welle mehrfach wiederholt.

Eine gute Atemtechnik muss unter der Geburt nicht beeindruckend aussehen. Sie muss abrufbar sein, wenn Denken und Planen schwieriger werden.

Das Ziel ist also nicht, besonders tief, besonders langsam oder besonders kontrolliert zu atmen. Das Ziel ist eine Atmung, die den eigenen Körper nicht zusätzlich belastet. Sie soll die Aufmerksamkeit bündeln, die Ausatmung verlängern und Raum für Entspannung lassen.

Was Atemtechniken leisten können – und was nicht

Atemübungen können helfen,

  • den eigenen Rhythmus während einer Wehe beizubehalten,
  • unnötiges Luftanhalten und Hochziehen der Schultern wahrzunehmen,
  • zwischen den Wehen schneller in eine ruhigere Körperphase zurückzufinden,
  • den Kiefer und den Beckenboden bewusster zu entspannen,
  • dem Geburtspartner eine konkrete Möglichkeit zu geben, zu unterstützen.

Sie sind jedoch keine Garantie für eine schmerzfreie Geburt. Auch eine gut vorbereitete Frau kann eine Geburt als sehr intensiv, unvorhersehbar oder körperlich erschöpfend erleben. Selbstbestimmung bedeutet nicht, jede Entwicklung kontrollieren zu können. Sie bedeutet, Entscheidungen zu verstehen, Grenzen wahrzunehmen und auch dann Unterstützung anzunehmen, wenn der ursprüngliche Plan sich verändert.

Die drei Säulen der HypnoBirthing-Atmung

Die drei Atemformen haben unterschiedliche Aufgaben. In der Praxis werden sie nicht wie starre Abläufe voneinander getrennt. Vielmehr entsteht ein Repertoire, aus dem die Gebärende je nach Phase, Intensität und eigener Wahrnehmung schöpfen kann.

AtemtechnikTypischer EinsatzPraktischer AblaufWorauf es ankommt
RuheatmungZwischen den Wehen und in ruhigen PhasenSanft einatmen, länger und weich ausatmen, zum Beispiel über 4 und 8 ZählerSchultern, Gesicht und Bauch nicht zusätzlich anspannen
WellenatmungWährend der EröffnungsphaseRuhiger Atemrhythmus über die gesamte Wehe, bei Bedarf mehrfach wiederholenDie Welle begleiten, statt gegen sie anzuhalten
GeburtsatmungIn der AustreibungsphaseAtem bewusst führen und den Anweisungen der Hebamme oder des geburtshilflichen Teams anpassenOffen bleiben, Druck nicht unkontrolliert aufbauen

Ruheatmung: Der Atem zwischen den Wellen

Die Ruheatmung ist die Basis des Trainings. Sie wird vor allem zwischen den Wehen eingesetzt, wenn der Körper die Möglichkeit bekommt, sich zu sammeln. Auch in der Schwangerschaft ist sie ein guter Einstieg, weil sie nicht an eine bestimmte Geburtsposition gebunden ist.

Setzen Sie sich bequem hin oder legen Sie sich mit erhöhtem Oberkörper auf die Seite. Eine Hand kann auf dem Brustkorb liegen, die andere auf dem Bauch. Atmen Sie durch die Nase ein, ohne den Atem künstlich zu vergrößern. Lassen Sie die Luft anschließend langsam durch den Mund entweichen.

Als Orientierung können vier Zähler beim Einatmen und acht beim Ausatmen dienen:

1. Atmen Sie ruhig auf vier Zähler ein.

2. Lassen Sie den Atem ohne Pause in eine längere Ausatmung übergehen.

3. Atmen Sie auf etwa acht Zähler aus.

4. Entspannen Sie Gesicht, Hände und Schultern.

5. Wiederholen Sie den Ablauf für einige Atemzüge, ohne die Luft zu erzwingen.

Wenn acht Zähler zu lang sind, verkürzen Sie beide Phasen. Das Verhältnis bleibt wichtiger als die konkrete Zahl. Eine entspannte Ausatmung über sechs Zähler ist hilfreicher als eine angestrengte Ausatmung über acht.

Wellenatmung: Wehen veratmen, ohne sich zu verlieren

Die Wellenatmung begleitet die Wehe. Sie soll nicht dazu dienen, die Gebärmutterarbeit wegzuatmen. Ihr Sinn liegt darin, die Aufmerksamkeit bei einem gleichmäßigen Atemfluss zu halten.

Viele Frauen profitieren davon, am Anfang einer Welle zunächst einen ruhigen Atemzug zu nehmen. Danach bleibt der Atem weich und regelmäßig. Die Ausatmung darf hörbar sein, etwa als sanftes „haaaah“ oder als weicher Vokallaut. Ein geöffneter, lockerer Kiefer unterstützt dabei die allgemeine Entspannung.

Ein möglicher Ablauf sieht so aus:

1. Nehmen Sie wahr, dass die Welle beginnt.

2. Atmen Sie einmal bewusst ein und länger aus.

3. Finden Sie einen gleichmäßigen Rhythmus, der weder hektisch noch übermäßig tief ist.

4. Lassen Sie die Ausatmung hörbar werden, wenn Ihnen das guttut.

5. Wiederholen Sie den Rhythmus, bis die Welle abklingt.

6. Kehren Sie anschließend zur Ruheatmung zurück.

Bei einer kürzeren Welle reichen vielleicht wenige Atemzüge. Bei einer längeren Welle wird der Ablauf mehrfach wiederholt. Die Atmung muss dabei nicht vollkommen identisch bleiben. Geburt ist kein Prüfungsmoment, in dem eine Übung fehlerfrei ausgeführt werden muss. Wenn der Rhythmus kurz verloren geht, kann ein einzelnes längeres Ausatmen helfen, wieder einzusteigen.

Geburtsatmung: Weniger Druck, mehr Führung

Die Geburtsatmung wird der Austreibungsphase zugeordnet. In diesem Abschnitt verändert sich die körperliche Aufgabe. Das Kind bewegt sich tiefer, der Druck nimmt zu, und der Impuls mitzuschieben kann sehr stark werden.

Die konkrete Atemführung sollte in dieser Phase immer an die Situation und an die Hinweise der Hebamme oder des geburtshilflichen Teams angepasst werden. Keine allgemeine Anleitung kann die individuelle Geburtsposition, den Befund oder die Reaktion von Mutter und Kind ersetzen.

Im HypnoBirthing wird häufig mit einer offenen, nach unten gerichteten Atmung gearbeitet. Der Kiefer bleibt weich, der Mund ist geöffnet, und die Ausatmung fließt nach unten, statt im Hals festgehalten zu werden. Das Bild der nach unten sinkenden Ausatmung kann manchen Frauen helfen, den Druck nicht zusätzlich in Gesicht, Nacken und Schultern zu sammeln.

Das bedeutet nicht, dass die Gebärende den Körperwillen vollständig steuern muss. Die Austreibungsphase ist von starken, oft sehr ursprünglichen Impulsen geprägt. Die Technik soll Orientierung bieten, nicht die Urkraft dieses Abschnitts überdecken.

Der 4-Wochen-Trainingsplan: Vom bewussten Üben zum automatischen Abruf

Ein Atemtraining wird nicht dadurch wirksam, dass es möglichst kompliziert ist. Es wird wirksam, wenn der Körper die Abläufe wiedererkennt. Spätestens vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ist ein guter Zeitpunkt, mit regelmäßigem Üben zu beginnen. Für diesen Plan sind vier Wochen vorgesehen. Wer früher startet, kann die Techniken mit noch mehr Ruhe kennenlernen.

Die genaue tägliche Übungsdauer ist nicht verbindlich festgelegt. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, eine angenehme Körperhaltung und die Fähigkeit, die Übung zu beenden, bevor sie in Anstrengung umschlägt.

Woche 1: Die Ruheatmung kennenlernen

In der ersten Woche geht es nicht um Geburtssimulation. Sie beobachten zunächst, wie Sie im Alltag atmen und welche Körperbereiche dabei unbewusst fest werden.

Üben Sie an mehreren Tagen in einer ruhigen Umgebung:

  • Nehmen Sie eine aufrechte, gut abgestützte Sitzposition ein.
  • Lassen Sie die Schultern sinken und lösen Sie die Hände aus einer Faust.
  • Atmen Sie sanft ein und länger aus.
  • Nutzen Sie zunächst einen natürlichen Rhythmus und probieren Sie erst danach das Verhältnis von etwa 4 zu 8 Zählern.
  • Beenden Sie die Übung, sobald Schwindel, Druckgefühl oder Unwohlsein auftritt.

In dieser Woche ist es sinnvoll, die Ruheatmung an alltägliche Übergänge zu knüpfen: nach dem Aufstehen, vor dem Einschlafen oder bevor Sie eine Nachricht beantworten. So wird sie nicht ausschließlich mit dem Geburtsvorbereitungskurs verbunden, sondern bekommt einen Platz im normalen Körpergedächtnis.

Achten Sie außerdem auf die Ausatmung. Sie darf hörbar sein, muss aber nicht. Ein leises „haaaah“ kann helfen, den Mund zu öffnen und den Kiefer zu lösen. Wenn Sie lieber lautlos atmen, ist das ebenso stimmig.

Woche 2: Wellenatmung mit Bewegung verbinden

In der zweiten Woche kommt die Bewegung hinzu. Geburt findet nicht in einer einzigen idealen Haltung statt. Viele Frauen wechseln zwischen Sitzen, Stehen, Knien, Seitlage oder dem Abstützen auf dem Partner. Atemtechniken sollten deshalb nicht nur im Liegen funktionieren.

Üben Sie die Wellenatmung in drei bis vier Körperpositionen:

1. Im aufrechten Sitzen, die Füße stabil auf dem Boden.

2. Im Stehen, mit lockerem Becken und leicht gebeugten Knien.

3. Im Vierfüßlerstand oder über ein Kissen nach vorn gelehnt.

4. In der Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Knien.

Beginnen Sie in jeder Position mit der Ruheatmung. Stellen Sie sich anschließend eine ansteigende, intensive und wieder abklingende Welle vor – nicht als ausgedachtes Geburtserlebnis, sondern als zeitlich begrenzte Übungsphase. Atmen Sie gleichmäßig weiter, verlängern Sie die Ausatmung und lösen Sie bei jedem Ausatmen bewusst den Kiefer.

Wichtig ist die Verbindung von Atem und Bewegung. Beim Ausatmen können Sie das Becken leicht kreisen, die Knie locker bewegen oder den Oberkörper nach vorn sinken lassen. Die Bewegung muss nicht groß sein. Ihr Wert liegt darin, dass der Körper mehrere Möglichkeiten kennenlernt, während der Atem Orientierung gibt.

Woche 3: Partnerrolle und Ablenkung einbeziehen

In der dritten Woche wird die Übung realistischer. Der Geburtspartner kann jetzt eine unterstützende Rolle übernehmen, ohne zum Atemlehrer zu werden. Unter der Geburt braucht die Gebärende meist keine langen Erklärungen. Hilfreicher sind wenige, vertraute Signale.

Der Partner kann beispielsweise:

  • gemeinsam mit der Gebärenden langsam ausatmen,
  • an den Beginn und das Ende einer Welle erinnern,
  • Wasser anbieten, wenn es gewünscht ist,
  • mit ruhiger Stimme einzelne Worte wiederholen,
  • die Schultern oder den Rücken berühren, sofern Berührung angenehm ist,
  • darauf achten, nicht ungefragt den Atemrhythmus zu korrigieren.

Üben Sie, während im Hintergrund leise Alltagsgeräusche vorhanden sind. Eine andere Person kann sich im Raum bewegen oder eine kurze Frage stellen. Dabei geht es nicht darum, Stress künstlich zu erzeugen. Die Übung soll vielmehr zeigen, ob die Atmung auch dann abrufbar bleibt, wenn die Aufmerksamkeit nicht vollkommen ungestört ist.

Legen Sie gemeinsam ein kleines Signal fest. Das kann eine Handbewegung oder ein einzelnes Wort sein, das an die lange Ausatmung erinnert. Es sollte neutral und nicht bewertend klingen. Formulierungen, die den Eindruck vermitteln, die Gebärende atme gerade nicht richtig, können zusätzliche Anspannung auslösen.

Unterstützung heißt nicht, die Atmung der Gebärenden zu steuern. Unterstützung heißt, ihr den Raum zu lassen, in dem sie ihren eigenen Rhythmus wiederfindet.

Auch Grenzen gehören in diese Woche. Besprechen Sie, wann Berührung erwünscht ist, ob gesprochen werden soll und welche Hilfe eher stört. Die Partnerrolle bei der Geburt besteht nicht darin, eine Methode durchzusetzen. Sie besteht darin, Selbstbestimmung praktisch zu schützen.

Woche 4: Abläufe festigen und flexibel halten

In der vierten Woche verbinden Sie die drei Atemformen. Das Training darf jetzt wie eine kleine Probe des Wechsels funktionieren:

  • Ruheatmung vor Beginn einer Welle,
  • Wellenatmung während der Intensität,
  • Ruheatmung nach dem Abklingen,
  • Geburtsatmung als vertraute Vorstellung für die Austreibungsphase.

Üben Sie den Ablauf in unterschiedlichen Positionen und mit verschiedenen Geräuschen. Entscheiden Sie danach, was sich wirklich stimmig anfühlt. Nicht jede Technik muss gleich angenehm sein. Vielleicht hilft Ihnen ein hörbares Ausatmen, während Sie in der Seitenlage lieber still atmen. Vielleicht brauchen Sie Bewegung statt Zählen. Solche Unterschiede sind keine Abweichung vom Plan, sondern wichtige Informationen über den eigenen Körper.

In dieser Woche kann auch die Kliniktasche einen praktischen Bezug bekommen. Legen Sie eine Karte mit wenigen Stichworten hinein, etwa:

  • Ausatmung verlängern.
  • Kiefer weich.
  • Schultern sinken lassen.
  • Position wechseln.
  • Zwischen der Welle ausruhen.

Die Karte ist kein Drehbuch für die Geburt. Sie ist eine Gedächtnisstütze für einen Moment, in dem lange Anleitungen schwer aufzunehmen sein können.

Kieferentspannung und Tönen: Die Verbindung zwischen Mundraum und Beckenboden

Die Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden wird in der Geburtsvorbereitung häufig angesprochen. Sie ist nicht als mechanisches Versprechen zu verstehen, nach dem ein geöffneter Mund automatisch eine bestimmte Reaktion im Becken auslöst. Gemeint ist vielmehr ein beobachtbarer Zusammenhang in der Körperspannung: Wenn der Kiefer presst, die Zunge nach oben drückt und der Atem angehalten wird, beteiligt sich oft auch der restliche Körper an dieser Anspannung.

Ein entspannter Mundraum kann deshalb eine hilfreiche Erinnerung sein. Lassen Sie die Lippen locker, lösen Sie die Zunge vom Gaumen und öffnen Sie den Kiefer leicht. Beim Ausatmen kann ein tiefer, weicher Laut entstehen. Das Tönen verlängert häufig die Ausatmung und verhindert, dass der Atem vollständig blockiert wird.

Probieren Sie verschiedene Vokale aus:

  • ein langes, weiches „A“,
  • ein tiefes „O“,
  • ein hauchendes „Haaaah“,
  • ein Summen, wenn ein geschlossener Mund angenehmer ist.

Die Tonhöhe ist weniger entscheidend als die Wirkung. Hohe, angespannte Laute können sich für manche Frauen unangenehm anfühlen. Ein tiefer Ton kann mehr Erdung vermitteln, muss aber nicht erzwungen werden. Unter der Geburt darf der Laut spontan und unperfekt werden.

Auch hier gilt: Nicht jede Frau möchte tönen. Manche empfinden Geräusche als entlastend, andere als störend oder zu exponiert. Die Vorbereitung soll Möglichkeiten eröffnen, keine neue Erwartung erzeugen.

Warum klassisches Hecheln ausgedient hat

Schnelles, oberflächliches Hecheln wurde lange als typische Atemtechnik für die Geburt vermittelt. In der modernen Geburtsvorbereitung gilt es nicht als allgemeine Standardtechnik für die Eröffnungsphase. Zu hastiges Atmen kann eine Hyperventilation begünstigen und das Gleichgewicht von Sauerstoff und Kohlendioxid im Körper verändern. Schwindel, Kribbeln oder ein Gefühl von Kontrollverlust können die Folge sein.

Das bedeutet nicht, dass jede schnelle Atmung automatisch gefährlich ist. Unter einer intensiven Wehe kann sich der Atem beschleunigen, und der Körper findet manchmal selbst einen kurzfristigen Rhythmus. Problematisch wird es vor allem dann, wenn bewusst über längere Zeit sehr schnell und flach geatmet wird, obwohl sich dabei Unwohlsein entwickelt.

Wenn Sie merken, dass die Atmung kippt, versuchen Sie nicht, noch tiefer einzuatmen. Häufig hilft zunächst eine längere, hörbare Ausatmung. Senken Sie die Schultern, lockern Sie den Kiefer und richten Sie den Blick auf einen festen Punkt. Wenn Schwindel oder starkes Unwohlsein bleibt, informieren Sie die Hebamme oder das medizinische Team.

Die moderne Atemvorbereitung setzt deshalb eher auf eine ruhige, fließende Atmung als auf ein starres Tempo. Der Atem darf sich an die Wehe anpassen. Er muss nicht über die gesamte Geburt gleich aussehen.

So bleibt der Trainingsplan alltagstauglich

Ein Plan für die Geburtsvorbereitung scheitert selten an fehlendem Wissen. Häufiger scheitert er daran, dass er zu groß angelegt ist. Wer sich vornimmt, täglich eine lange Übungseinheit zu absolvieren, erlebt schon eine ausgelassene Einheit als Unterbrechung. Ein kleinerer, wiederholbarer Ablauf ist nachhaltiger.

Für die nächsten vier Wochen können Sie sich an diesen Grundsätzen orientieren:

  • Üben Sie lieber regelmäßig und kurz, statt selten und erschöpfend.
  • Verändern Sie die Position, damit die Technik nicht an ein bestimmtes Möbelstück gebunden bleibt.
  • Trainieren Sie nicht nur in völliger Ruhe, sondern gelegentlich mit leisen Alltagsgeräuschen.
  • Lassen Sie den Partner einzelne Signale kennenlernen, ohne ihn zum Kontrolleur zu machen.
  • Beenden Sie eine Übung bei Schwindel, Atemnot oder deutlichem Unwohlsein.
  • Besprechen Sie besondere gesundheitliche Situationen mit Hebamme, Ärztin oder Arzt.
  • Betrachten Sie die Atemtechniken als Ergänzung zu Geburtsvorbereitung, Beweglichkeit, Körperwahrnehmung und medizinischer Begleitung.

Auch die körperliche Vorbereitung kann den Atem unterstützen. Aufrechte Positionen, sanfte Bewegung und ein bewusster Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe helfen dabei, die eigene Körperwahrnehmung zu verfeinern. Beckenbodentraining in der Schwangerschaft sollte dabei nicht nur aus Anspannen bestehen. Für die Geburt ist ebenso relevant, das Loslassen und Entspannen wahrzunehmen. Eine Hebamme oder qualifizierte Kursleitung kann zeigen, wie sich diese beiden Qualitäten unterscheiden.

Die ableitbare Lektion für die Geburt

Atemtechniken sind kein Versprechen, eine Geburt nach einem bestimmten Muster zu erleben. Ihr Wert liegt tiefer und zugleich schlichter: Sie schaffen einen Zugang zum eigenen Körper, wenn die äußeren Umstände unübersichtlich werden.

Die Ruheatmung bringt Sie zwischen den Wellen zurück. Die Wellenatmung hilft, die Intensität in einzelne Abschnitte zu gliedern. Die Geburtsatmung bereitet auf eine Phase vor, in der Druck, Bewegung und Atem besonders eng miteinander verbunden sind. Kieferentspannung und Tönen können den Körper daran erinnern, nicht jede Spannung festzuhalten. Und die Partnerrolle wird dann hilfreich, wenn sie nicht korrigiert, sondern Sicherheit und Grenzen respektiert.

Am Ende muss keine Technik perfekt beherrscht werden. Entscheidend ist, dass Sie mehrere Möglichkeiten kennengelernt haben und ihnen nicht ausgeliefert sind. Sie dürfen die Atmung verändern, eine andere Position wählen, Hilfe annehmen, eine Pause brauchen oder medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen. Selbstbestimmung zeigt sich nicht darin, einem Plan um jeden Preis zu folgen. Sie zeigt sich darin, auch unter den wechselnden Bedingungen einer Geburt mit dem eigenen Körper, dem eigenen Wissen und den eigenen Grenzen verbunden zu bleiben.

Häufige Fragen

Wann sollte man mit dem Atemtraining für die Geburt beginnen?
Ein guter Zeitpunkt für den Beginn des regelmäßigen Trainings ist etwa vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin.
Warum ist die Ausatmung bei den Atemtechniken so wichtig?
Eine längere und entspannte Ausatmung hilft dabei, den Körper zwischen den Wehen aus der Anspannung zu führen und den Kiefer sowie den Beckenboden zu lockern.
Was ist der Unterschied zwischen Ruheatmung und Wellenatmung?
Die Ruheatmung dient der Erholung zwischen den Wehen, während die Wellenatmung dazu genutzt wird, die Aufmerksamkeit während einer Wehe bei einem gleichmäßigen Atemfluss zu halten.
Sollte man während der Geburt hecheln?
In der modernen Geburtsvorbereitung gilt schnelles, oberflächliches Hecheln nicht als Standard, da es zu Hyperventilation, Schwindel oder Kontrollverlust führen kann.
Welche Rolle spielt der Partner beim Atemtraining?
Der Partner kann unterstützend wirken, indem er an den Beginn und das Ende einer Wehe erinnert, gemeinsam ausatmet oder für eine ruhige Atmosphäre sorgt, ohne die Atmung der Gebärenden zu kontrollieren.