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Warum das Bild der starken Mutter eine Gefahr für die Geburt sein kann

Ein neuer Bericht des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA rückt eine Realität in den Mittelpunkt, die uns als Hebammen und als Frauen, die sich auf eine Geburt vorbereiten, nicht loslässt: In Lateinamerika…

aktualisiert 16. September 2026

Warum das Bild der starken Mutter eine Gefahr für die Geburt sein kann

Ein neuer Bericht des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA rückt eine Realität in den Mittelpunkt, die uns als Hebammen und als Frauen, die sich auf eine Geburt vorbereiten, nicht loslässt: In Lateinamerika und der Karibik sterben Frauen afrikanischer Abstammung deutlich häufiger an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt als andere Frauen. Die brasilianische Sängerin IZA, die sich mit UNFPA für umfassende Mutterschaftsversorgung einsetzt, bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: "Es gibt dieses falsche Bild, dass wir stark sind, dass wir Kriegerinnen sind, dass wir alles aushalten können." Dieser Satz berührt uns, weil er genau die Haltung infrage stellt, die viele werdende Mütter verinnerlicht haben — und die einer selbstbestimmten Geburt im Weg steht.

Was die Zahlen erzählen — und was sie mit Vertrauen zu tun haben

Die dokumentierten Unterschiede sind deutlich: In Brasilien lag die Müttersterblichkeit unter Schwarzen Frauen im Jahr 2024 um 55 Prozent höher als unter weißen Frauen. Fast 85 Prozent der schwangeren weißen Frauen nahmen mindestens sieben Vorsorgeuntersuchungen wahr, unter Schwarzen Frauen waren es 77 Prozent. Über die gesamte Region hinweg zeigt UNFPA-Datenmaterial, dass afrodescendente Mädchen mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit in der Teenagerschwangerschaft landen als ihre Altersgenossinnen. Rund 20 Frauen sterben dort täglich an Ursachen, die mit Schwangerschaft und Geburt zusammenhängen — für indigine und afrodescendente Frauen ist das Risiko bis zu dreimal so hoch.

Hinter diesen Zahlen stehen Geschichten von Frauen, die in ihrem verletzlichsten Moment nicht die Geduld und die Zuwendung bekamen, die sie brauchten. Die kolumbianische Journalistin und Aktivistin Edna Liliana Valencia formuliert für UNFPA genau das, was wir in unseren Kursen immer wieder hören und selbst vertreten: Kontrolle und Autonomie über die Entscheidungen, die mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit zu tun haben.

Was das für deine Vorbereitung bedeutet

Auch wenn Deutschland keine Region ist, in der dieselben ethnischen Strukturen greifen, berührt uns dieses Thema auf einer tieferen Ebene: Es geht um die Grundhaltung, mit der wir einer Geburt begegnen. HypnoBirthing und mentale Geburtsvorbereitung bedeuten nicht, sich in eine Blase aus Positivität zurückzuziehen. Es bedeutet, genau hinzuspüren, wo alte Glaubenssätze sitzen — Sätze wie "eine gute Mutter muss alles aushalten" oder "ich darf nicht laut sein, wenn die Wellen kommen". Diese inneren Stimmen sind oft genug genau die, die uns still halten, selbst wenn unser Körper nach Ausdruck, Bewegung oder einer anderen Position ruft.

IZA erzählt von ihrer eigenen Schwangerschaft: "Ich hatte all die Unterstützung, all die Geduld, all die Zuwendung, die eine schwangere Frau verdient." Und sie fügt hinzu: "Das ist nicht das, was die meisten Frauen in einer anderen Lebenslage erleben." Genau hier setzt deine Vorbereitung an. Du darfst wissen, was eine vaginale Untersuchung bedeutet, bevor sie stattfindet. Du darfst nachfragen, warum ein Eingriff vorgeschlagen wird, und du darfst dir Zeit dafür nehmen. Du darfst darum bitten, dass das Licht gedimmt wird, dass du deine Musik mitbringst, dass du dich bewegst, wenn die Wellen dich dazu rufen. Das ist keine Überforderung des Geburtsteams — das ist gelebte Selbstbestimmung, die du dir in den kommenden Wochen Stück für Stück erarbeiten kannst.

Ein Wort, das dich durch die Wellen tragen kann

IZA sagt in dem Bericht auch, dass es Politiken braucht, die Frauen Zugang zu qualifizierter Behandlung, zu psychologischer Betreuung und zu Stillbegleitung geben — unabhängig von finanziellen Mitteln. Was auf politischer Ebene gilt, gilt in deinem Kreißsaal im Kleinen: Du brauchst ein Team, das dich fragt und nicht nur über dich entscheidet. In unserem Mentaltraining arbeiten wir genau damit — mit der Fähigkeit, im Moment der größten Intensität innezuhalten, deinen Körper zu hören und klar zu benennen, was du brauchst. Das ist keine Technik, die du abrufst wie ein Rezept. Es ist eine Haltung, die wächst, wenn du ihr in den Wochen vor der Geburt immer wieder Raum gibst.

Vielleicht ist das Wichtigste, was du aus diesem Bericht mitnehmen kannst, dieser eine Satz, der wie ein stilles Mantra über deiner Vorbereitung liegen darf: Du musst nicht alles aushalten. Du darfst loslassen. Du darfst vertrauen. Du darfst dir Hilfe holen.