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Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft: Schnelle Hilfe im Alltag
Ganzheitliche Schwangerschaft

Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft: Schnelle Hilfe im Alltag

Du liegst endlich ruhig, das Baby hat sich gemeldet und ist wieder still, der Atem geht tief — und mitten in der Nacht fährt dir ein Stechen in die Wade.

Der Muskel verhärtet sich zu einem schmerzhaften Knoten, der Fuß zuckt in Richtung Bettende, und du bist sofort hellwach. Wadenkrämpfe gehören zu den häufigen Beschwerden der zweiten Schwangerschaftshälfte und treten oft genau dann auf, wenn du sie am wenigsten gebrauchen kannst.

Die gute Nachricht vorweg: Ein einzelner Wadenkrampf ist meist kein Notfall. Die Wade reagiert auf mehrere Veränderungen gleichzeitig: mehr Gewicht, eine andere Körperhaltung, veränderte Flüssigkeits- und Mineralstoffverhältnisse sowie einen erschwerten Rückfluss des Blutes aus den Beinen. Wer versteht, warum der Muskel überhaupt krampft, kann im Akutfall gezielt reagieren. Auch im Alltag gibt es einige Maßnahmen, die die Beschwerden lindern oder ihre Häufigkeit möglicherweise verringern können.

Warum die Waden in der Schwangerschaft rebellieren

Was im Muskel tatsächlich passiert

Ein Wadenkrampf entsteht, wenn sich der Muskel plötzlich stark zusammenzieht und nicht sofort wieder entspannt. Normalerweise wechseln Anspannung und Entspannung automatisch. In der Schwangerschaft kann dieses Zusammenspiel leichter aus dem Takt geraten, weil mehrere Faktoren auf die Muskulatur einwirken:

  • Die Nieren scheiden im Verlauf der Schwangerschaft mehr Flüssigkeit und Elektrolyte aus. Dadurch kann sich der Mineralstoffhaushalt verändern, ohne dass gleich ein ausgeprägter Mangel vorliegen muss.
  • Durch häufigeres Wasserlassen, Schwitzen oder Erbrechen verliert der Körper zusätzlich Flüssigkeit und Salze. An warmen Tagen oder in schlecht belüfteten Räumen fällt das manchmal besonders auf.
  • Das Blutvolumen nimmt zu. Gleichzeitig kann die wachsende Gebärmutter den Rückfluss aus den Beinen erschweren. Die Beine fühlen sich dann schneller schwer an, und langes Stehen oder Sitzen belastet die Waden zusätzlich.
  • Mit dem wachsenden Bauch verändert sich der Körperschwerpunkt. Die Wadenmuskeln arbeiten bei jedem Schritt und bei vielen kleinen Ausgleichsbewegungen anders als vor der Schwangerschaft.
  • Weniger Bewegung, ungewohnte Belastung oder langes Verharren in einer Position können ebenfalls eine Rolle spielen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Magnesiummangel die Ursache ist. Magnesium, Calcium, Kalium und Flüssigkeit stehen im Muskelstoffwechsel miteinander in Verbindung. Schon Veränderungen in diesem Zusammenspiel können die Erregbarkeit des Muskels beeinflussen. Gleichzeitig lässt sich die Ursache eines Krampfes im Einzelfall nicht immer eindeutig bestimmen.

Warum Krämpfe oft nachts kommen

Viele Schwangere bemerken die Beschwerden nachts oder in den frühen Morgenstunden. Im Schlaf bewegt sich der Fuß häufig unbewusst in eine leicht gestreckte Position. Dabei verkürzt sich die Wade, und eine plötzliche Bewegung oder das Umdrehen im Bett kann den Krampf auslösen. Auch die fehlende Bewegung über mehrere Stunden kann dazu beitragen, dass sich die Muskulatur steifer anfühlt.

Nach einem langen Tag mit viel Stehen oder Gehen ist die Wade oft zusätzlich ermüdet. Umgekehrt können auch lange Sitzphasen am Schreibtisch oder auf dem Sofa die Beine belasten. Der Krampf muss also nicht immer nach einer besonders anstrengenden Aktivität auftreten. Manchmal reicht eine kleine, ungewohnte Bewegung — etwa das schnelle Strecken beim Aufwachen oder ein kräftiges Abrollen des Fußes.

Soforthilfe bei nächtlichen Krämpfen

Die ersten Sekunden zählen

Wenn der Krampf dich aus dem Schlaf reißt, hilft es meist nicht, einfach abzuwarten. Versuche, den verkürzten Muskel vorsichtig wieder zu verlängern. Die folgenden Bewegungen lassen sich an die jeweilige Schwangerschaftswoche und deine Beweglichkeit anpassen:

1. Das Bein strecken und die Fußspitze heranziehen: Strecke das betroffene Bein so weit wie angenehm durch. Drücke die Ferse nach vorn und ziehe die Fußspitze langsam in Richtung Schienbein. Nicht ruckartig ziehen, sondern die Position ruhig halten, bis die Verkrampfung nachlässt.

2. Aufstehen und vorsichtig gehen: Wenn es sicher möglich ist, steh langsam auf und belaste den Fuß. Ein paar ruhige Schritte können helfen, die Wade wieder in Bewegung zu bringen. Halte dich bei Bedarf an der Bettkante oder an einem stabilen Möbelstück fest.

3. Die Wade an der Wand dehnen: Stell dich mit dem Gesicht zur Wand. Das betroffene Bein steht etwas weiter hinten, die Ferse bleibt am Boden. Beuge das vordere Knie leicht und lehne dich vorsichtig nach vorn. So entsteht eine sanfte Dehnung, ohne dass du dich tief nach unten beugen musst.

Wenn du nicht sicher stehen kannst oder der Bauch bereits sehr groß ist, ist die Dehnung im Sitzen oft angenehmer. Strecke das Bein nach vorn, setze die Ferse auf und ziehe die Fußspitze mit der Hand oder einem Handtuch vorsichtig zu dir. Sobald der Schmerz stärker wird, löse die Spannung etwas. Eine Dehnung darf ziehen, sollte aber nicht stechend oder gewaltsam sein.

Eine sanfte Massage kann zusätzlich angenehm sein. Streiche mit der flachen Hand oder den Fingern über die verhärtete Wade und lockere den Muskel vorsichtig. Starker Druck ist nicht nötig. Wenn eine Wade geschwollen, gerötet oder deutlich wärmer als die andere ist, solltest du sie allerdings nicht einfach kräftig massieren, sondern medizinischen Rat einholen.

Ein Wadenkrampf wirkt im ersten Moment dramatisch. Ruhiges Strecken, vorsichtiges Belasten und etwas Zeit helfen dem Muskel oft besser als hektisches Gegenhalten.

Was du danach tun kannst

Nach einem stärkeren Krampf kann sich die Wade noch einige Stunden wie nach einem Muskelkater anfühlen. Das ist nicht ungewöhnlich. Bewege den Fuß danach langsam in beide Richtungen und geh ein paar Schritte, wenn es sich gut anfühlt. Ein Glas Wasser kann sinnvoll sein, besonders wenn du an diesem Tag wenig getrunken, stark geschwitzt oder dich übergeben hast. Eine spezielle Elektrolytlösung oder zusätzliches Salz ist nicht grundsätzlich nötig und sollte nicht zur Standardmaßnahme bei jedem Krampf werden.

Lege dich anschließend so hin, dass die Beine bequem liegen. Ein Kissen unter den Unterschenkeln kann angenehm sein, sollte die Füße aber nicht dauerhaft in eine nach unten gestreckte Position drücken. Manche Schwangere profitieren davon, die Füße am Fußende nicht zu stark zu strecken oder die Bettdecke dort etwas lockerer zu lassen.

Wenn die Krämpfe wiederholt in derselben Nacht auftreten, notiere dir am nächsten Morgen kurz, wann sie kamen und was an diesem Tag anders war: viel Sitzen, langes Stehen, Sport, Hitze, wenig Trinken oder eine neue Nahrungsergänzung. Solche Beobachtungen sind hilfreicher als die pauschale Annahme, jeder Krampf müsse auf einen Magnesiummangel zurückgehen.

Mineralstoffhaushalt gezielt unterstützen: Ernährung statt Präparate

Das Fundament liegt auf dem Teller

Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert Magnesium, Calcium, Kalium und weitere Nährstoffe in Kombination. Das ist im Alltag meist sinnvoller, als sich auf einen einzelnen Mineralstoff zu konzentrieren. Magnesium steckt unter anderem in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und grünem Gemüse.

LebensmittelPortionMagnesium ungefährAlltagstipp
Haferflocken50 grund 70 mgMit Joghurt oder einer pflanzlichen Alternative und Obst als Frühstück
Vollkornbrot2 Scheiben, etwa 100 grund 80 mgHelles Brot gelegentlich durch Vollkorn ersetzen
Naturreis, gekocht180 grund 50 mgAls Beilage zu Gemüse und Hülsenfrüchten
Spinat, gedünstet150 grund 95 mgKurz gedünstet als Beilage oder im Auflauf
Mandeln30 grund 80 mgEine kleine Handvoll als Snack
Cashewnüsse30 grund 75 mgIn Salaten oder warmen Gerichten
Sesamsaat15 grund 55 mgÜber Salate, in Hummus oder auf Brot
Kürbiskerne30 grund 95 mgAls Topping für Suppen oder Müsli
Schwarze Bohnen, gekocht150 grund 60 mgFür Eintöpfe, Bowls oder Aufstriche
Banane1 Stück, etwa 120 grund 35 mgAls Snack oder im Müsli
Avocado½ Fruchtrund 30 mgAuf Brot oder im Salat

Die Werte sind Näherungen und hängen unter anderem von Sorte, Verarbeitung und Zubereitung ab. Entscheidend ist nicht, mit einer einzelnen Portion einen bestimmten Wert zu erreichen. Über den Tag verteilt entsteht durch unterschiedliche Lebensmittel eine verlässlichere Grundlage.

Magnesium ist dabei nur ein Teil des Mineralstoffhaushalts in der Schwangerschaft. Milchprodukte, grünes Gemüse oder calciumreiche angereicherte Pflanzendrinks können zur Calciumversorgung beitragen. Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst liefern Kalium. Wer sich ausgewogen ernährt, muss deshalb nicht bei jedem Krampf sofort mehrere Präparate kombinieren.

Trinken, ohne sich zu zwingen

Ausreichend zu trinken ist im Alltag wichtig, ersetzt aber keine medizinische Abklärung und verhindert nicht jeden Wadenkrampf. Ein guter Anhaltspunkt ist, regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken und nicht erst dann, wenn bereits starker Durst besteht. Bei Hitze, Bewegung, Durchfall oder Erbrechen kann der Bedarf steigen.

Auch die Farbe des Urins kann eine grobe Orientierung geben, ist aber kein genauer Test für den Flüssigkeitshaushalt. Sehr dunkler Urin, Schwindel, trockene Schleimhäute oder anhaltendes Erbrechen solltest du in der Schwangerschaft mit deiner Hebamme oder deiner ärztlichen Praxis besprechen.

Wann Präparate sinnvoll sein können

Es gibt Situationen, in denen die Ernährung allein nicht ausreicht oder sich die Versorgung nur schwer einschätzen lässt — etwa bei anhaltendem Erbrechen, starkem Durchfall, ausgeprägter Appetitlosigkeit oder sehr einseitiger Ernährung. Auch wenn die Krämpfe trotz einer guten Basis häufig bleiben, kann ein Gespräch über Magnesium sinnvoll sein.

Die Studienlage zu Magnesium gegen schwangerschaftsbedingte Waden- und Beinkrämpfe ist jedoch uneinheitlich. Eine systematische Übersichtsarbeit, in der mehrere Studien ausgewertet wurden, fand keinen eindeutigen Vorteil für alle betroffenen Frauen. Manche profitieren offenbar, bei anderen verändern sich die Beschwerden kaum. Daraus folgt weder, dass Magnesium grundsätzlich nutzlos ist, noch dass jeder Krampf mit einem Präparat behandelt werden sollte.

Magnesium kann für einzelne Frauen eine sinnvolle Ergänzung sein. Es ist aber kein verlässlicher Garant für krampffreie Nächte — und nicht jede Wade, die nachts schmerzt, hat einen nachgewiesenen Magnesiummangel.

Hochdosierte Präparate solltest du nicht auf eigene Faust einnehmen. Besprich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt, ob ein Präparat in deiner Situation passt, welche Dosierung angemessen ist und ob es sich mit anderen Nahrungsergänzungen oder Medikamenten verträgt. Magnesium kann außerdem den Darm reizen und Durchfall verursachen. Auch bei der Auswahl der Verbindung zählt daher nicht nur die Werbeaussage auf der Packung, sondern vor allem, was du verträgst und was medizinisch sinnvoll ist.

Prävention durch Bewegung: Dehnübungen für entspannte Nächte

Regelmäßiges Dehnen kann helfen

Wenn du wiederholt unter Wadenkrämpfen leidest, kann eine regelmäßige, sanfte Dehnroutine einen Versuch wert sein. Sie hält die Wade beweglich und gibt dir ein Werkzeug an die Hand, mit dem du auf ein Spannungsgefühl reagieren kannst. Wie stark dieser Effekt ausfällt, ist individuell. Dehnen ist deshalb keine Garantie und lässt sich nicht pauschal als wirksamste Maßnahme oder als Ersatz für eine medizinische Abklärung darstellen.

Halte eine Dehnung ungefähr zehn bis dreißig Sekunden, atme ruhig weiter und bleib in einem Bereich, der angenehm zieht. Zwei bis drei Wiederholungen pro Seite können ausreichen. Wenn du bisher kaum gedehnt hast, beginne mit weniger und beobachte, wie deine Muskulatur reagiert. Vor dem Schlafengehen passt die Routine gut in den Alltag; sie kann aber auch nach einem langen Sitztag oder Spaziergang angenehm sein.

Drei Übungen, die sich anpassen lassen

1. Wadendehnung an der Wand

Stell dich mit dem Gesicht zur Wand und stütze beide Hände ab. Setze einen Fuß eine gute Schrittlänge nach hinten. Die hintere Ferse bleibt am Boden, das Knie ist zunächst möglichst gestreckt. Beuge das vordere Knie leicht und verlagere das Gewicht langsam nach vorn. Du solltest die Dehnung in der hinteren Wade spüren. Halte die Position ruhig und wechsle dann die Seite.

Wenn das Gleichgewicht unsicher ist, verkürze den Abstand zur Wand. In der Schwangerschaft geht es nicht darum, möglichst tief in eine Position zu kommen, sondern um eine kontrollierte Bewegung ohne Druck auf den Bauch.

2. Dehnung an einer Treppenstufe

Stell dich mit den Fußballen auf die unterste Stufe und halte dich sicher am Geländer fest. Lass die Fersen nur so weit absinken, wie es sich stabil und angenehm anfühlt. Diese Übung verlangt mehr Gleichgewicht als die Dehnung an der Wand. Wenn du dich unsicher fühlst, lässt du sie besser aus oder führst sie nur mit Unterstützung aus. Ein zusätzlicher Halt durch eine zweite Person kann sinnvoll sein.

3. Sitzende Variante für den Alltag

Setz dich auf einen stabilen Stuhl und strecke ein Bein nach vorn aus. Die Ferse steht am Boden, die Zehen zeigen nach oben. Zieh die Fußspitze vorsichtig in Richtung Schienbein, bis du die Dehnung in der Wade bemerkst. Diese Variante eignet sich auch für eine kurze Pause am Schreibtisch oder im Homeoffice. Achte darauf, nicht ins Hohlkreuz zu fallen und den Oberkörper entspannt zu lassen.

Bewegung in kleinen Dosen

Neben dem Dehnen kann regelmäßige, moderate Bewegung den Beinen guttun. Sie muss nicht sportlich aussehen und sollte sich an deinen Schwangerschaftsverlauf anpassen:

  • Ein ruhiger Spaziergang, wenn du dich dabei wohlfühlst
  • Schwangerschaftsyoga mit Übungen für Beine, Füße und Becken
  • Fußkreisen und langsames Anziehen der Zehen während längerer Sitzphasen
  • Mehrmals am Tag kurz aufstehen, statt viele Stunden ohne Unterbrechung zu sitzen
  • Die Beine zwischendurch hochlegen, wenn sie sich schwer oder müde anfühlen

Wer am Schreibtisch arbeitet, kann etwa einmal pro Stunde die Position wechseln, ein paar Schritte gehen oder die Füße bewegen. Das ist kein festes Trainingsprogramm und muss auch nicht minutiös geplant werden. Entscheidend ist, die Muskulatur und den Kreislauf nicht über viele Stunden in derselben Haltung zu lassen.

Wechselduschen werden ebenfalls häufig empfohlen. Sie können sich angenehm anfühlen, sind aber kein Muss und verhindern nicht zuverlässig jeden Krampf. Wenn du sie ausprobierst, wähle eine Temperatur, die dir bekommt, und brich ab, wenn dir schwindelig wird oder sich die Kälte unangenehm anfühlt.

Wann der Gang zur Hebamme oder zum Arzt notwendig ist

Die meisten Krämpfe sind harmlos — aber nicht alle Schmerzen sind Krämpfe

Ein typischer Wadenkrampf kommt plötzlich, verhärtet den Muskel und lässt nach einigen Sekunden oder Minuten wieder nach. Danach kann die Wade noch empfindlich sein. Anders ist es, wenn ein Bein dauerhaft schmerzt oder sich sichtbar verändert. Dann solltest du nicht erst mehrere Hausmittel ausprobieren.

Achte besonders auf folgende Signale:

  • Eine Wade ist einseitig geschwollen, gerötet, überwärmt oder dauerhaft druckempfindlich. In Verbindung mit Schmerzen kann das auf eine Thrombose hinweisen und muss in der Schwangerschaft zeitnah medizinisch abgeklärt werden.
  • Plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen oder ein ungewöhnliches Engegefühl kommen hinzu. In diesem Fall ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.
  • Der Schmerz lässt nicht nach oder tritt unabhängig von einer Verkrampfung wiederholt auf.
  • Taubheitsgefühle, anhaltendes Kribbeln, Kraftverlust oder deutliche Gangunsicherheit begleiten die Beschwerden.
  • Die Krämpfe werden sehr häufig und beeinträchtigen deinen Schlaf, obwohl du Bewegung, Ernährung und Flüssigkeitszufuhr bereits angepasst hast.
  • Du hast zusätzlich starkes Erbrechen, Durchfall, ausgeprägten Schwindel oder kannst kaum Flüssigkeit bei dir behalten.

Bei Unsicherheit darfst du deine Hebamme oder deine gynäkologische Praxis auch früher ansprechen. Du musst nicht warten, bis die Beschwerden besonders stark geworden sind.

Was Hebamme und Arzt abklären können

Im Gespräch geht es zunächst um den Verlauf: Wann treten die Krämpfe auf? Betrifft es eine oder beide Waden? Wie lange halten sie an? Gibt es Schwellungen, Hautveränderungen oder Beschwerden beim Gehen? Auch Trinkmenge, Ernährung, Bewegung, Medikamente und bereits eingenommene Nahrungsergänzungsmittel können wichtig sein.

Je nach Situation kann eine Untersuchung oder eine Blutkontrolle sinnvoll sein. Dabei kommen neben Magnesium auch Calcium, Kalium, Eisen oder andere Werte infrage. Ein Laborwert allein erklärt allerdings nicht immer, warum ein Muskel nachts krampft. Die Beschwerden müssen zusammen mit dem körperlichen Befund betrachtet werden.

Auch die Schlafposition, die Belastung im Alltag und die Bewegungsgewohnheiten können Thema sein. Oft sind es mehrere kleine Faktoren, die zusammenkommen: langes Sitzen, wenig Bewegung, eine ungewohnte Belastung und eine ungünstige Fußposition im Schlaf. Eine Hebamme kann dabei helfen, die Maßnahmen so anzupassen, dass sie in deinen Tagesablauf passen, statt eine weitere komplizierte Routine zu werden.

Calcium und Kalium nicht vergessen

Wer bei Wadenkrämpfen ausschließlich an Magnesium denkt, verliert den übrigen Mineralstoffhaushalt aus dem Blick. Calcium und Kalium sind ebenfalls an der Muskel- und Nervenfunktion beteiligt. Das heißt nicht, dass du vorsorglich mehrere Einzelpräparate einnehmen solltest. Im Gegenteil: Eine ungezielte Kombination kann unnötig sein oder zu viel des Guten werden.

Sinnvoller ist es, zunächst auf eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten und bei anhaltenden Beschwerden professionellen Rat einzuholen. Milchprodukte, grünes Gemüse, Kartoffeln, Obst und Hülsenfrüchte können je nach Ernährungsweise verschiedene Mineralstoffe beitragen. Bei veganer Ernährung, Unverträglichkeiten, starker Übelkeit oder besonderen medizinischen Umständen kann die individuelle Beratung besonders hilfreich sein.

Ein Krampf ist oft harmlos, aber wiederkehrende oder einseitige Schmerzen verdienen Aufmerksamkeit. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Mittel auszuprobieren, sondern das Muster der Beschwerden richtig einzuordnen.

Weniger Krampf, mehr Schlaf

Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft musst du nicht einfach hinnehmen. Es kann helfen, mehrere einfache Ansätze miteinander zu verbinden: regelmäßige Bewegung, sanftes Dehnen, eine abwechslungsreiche Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Für den Akutfall lohnt es sich, das Strecken des Fußes und eine sichere Aufstehbewegung schon einmal tagsüber zu üben. Dann musst du nachts nicht erst überlegen, was zu tun ist.

Genauso wichtig ist, die Grenzen der Hausmittel zu kennen. Dehnen kann die Wade beweglich halten und die Beschwerden bei manchen Frauen lindern, ist aber keine belegte Überlegenheitsmaßnahme gegenüber allen anderen Ansätzen. Auch Magnesium kann einzelnen Schwangeren helfen, doch die Studienlage ist nicht eindeutig und ein Präparat sollte zur persönlichen Situation passen.

Du brauchst deshalb weder ein schlechtes Gewissen, weil du noch kein Magnesium genommen hast, noch musst du jeden Krampf als Zeichen eines Mangels deuten. Beobachte, wann die Beschwerden auftreten, verändere jeweils nur wenige Dinge und sprich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt, wenn sie häufig werden oder ungewöhnlich verlaufen. So wird aus einer schmerzhaften Nacht nicht automatisch ein Dauerthema — und du behältst den Blick dafür, wann einfache Maßnahmen reichen und wann Unterstützung nötig ist.

Häufige Fragen

Warum treten Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft besonders nachts auf?
Im Schlaf nehmen die Füße oft unbewusst eine gestreckte Position ein, was die Wadenmuskulatur verkürzt. Zudem kann eine plötzliche Bewegung beim Umdrehen den Krampf auslösen.
Hilft Magnesium gegen Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft?
Die Studienlage ist uneinheitlich und zeigt keinen eindeutigen Vorteil für alle Frauen. Magnesium kann für Einzelne sinnvoll sein, ist aber kein Garant für krampffreie Nächte und sollte nicht ohne ärztliche Absprache hochdosiert eingenommen werden.
Was sollte ich tun, wenn ein Wadenkrampf auftritt?
Strecke das Bein vorsichtig durch, drücke die Ferse nach vorn und ziehe die Fußspitze langsam in Richtung Schienbein. Auch vorsichtiges Aufstehen und Gehen oder eine sanfte Massage des Muskels können den Krampf lösen.
Wann muss ich mit Wadenkrämpfen zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn eine Wade einseitig geschwollen, gerötet oder überwärmt ist, die Schmerzen dauerhaft anhalten oder Begleitsymptome wie Atemnot, Schwindel oder Taubheitsgefühle auftreten.
Welche Lebensmittel helfen bei Wadenkrämpfen?
Eine ausgewogene Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und grünem Gemüse unterstützt den Mineralstoffhaushalt besser als einzelne Präparate.